Fake-Influencer auf Instagram anhand der Daten erkennen

Seit einigen Jahren gewinnt Influencer-Markting für Unternehmen immer weiter an Bedeutung. Dabei wird Influencer-Marketing häufig mit dem Medium Instagram in Verbindung gebracht. Inzwischen sind viele Firmen daran interessiert mit Menschen, die auf Social Media große Followerzahlen erreichen, zusammenzuarbeiten. Dabei aber werden die Social Media Plattformen von vielen Problemen geplagt. Zum Beispiel sind laut Analysten 50% der als Werbung markierten Influencerbeiträge fake:

„A single day’s worth of posts tagged #sponsored or #ad on Instagram contained over 50 percent fake engagements, according to data from anti-fraud company Sway Ops. Out of 118,007 comments, only 20,942 were not made by bot followers.“

schreibt Shareen Pathak für Digiday UK.

Es gibt viele Methoden um die Followerzahlen, Engagement oder Kommentare bei Instagram und anderen Social Media Plattformen zu verfälschen. Die Methoden der Verfälschung verändern sich dabei sehr schnell und passen sich den neuen Bedingungen auf den Plattformen stets an. Damit ist es schwierig für Unternehmen zu erkennen, wer seine Reichweite organisch aufgebaut hat und wer mit unlauteren Methoden arbeitet.

In diesem Beitrag werde ich konkrete und kostenlose Methoden auflisten, mit denen die fake Influencer auf Instagram recht gut zu identifizieren sind.

Die üblich aufgelisteten Merkmale wie Engagementrate, die Zahl der Likes im Verhältnis zu den Followern, die Zahl der Kommentare sind kein Indikator mehr, denn man kann sie für wenige Euro kaufen.

Wie lassen sich also die Bots und Fakes immer noch identifizieren?

1. Die stufenweise Gewinnung der Follower bei Fake-Influencer ist kein Indikator mehr

Früher waren Fake-Influencer relativ gut anhand der Followerstatistiken, die zum Teil kostenfrei bei Socialblade einsehbar sind, erkennbar. Accounts, die fake Follower gekauft haben, zeigten in ihrem Followerwachstum die sogenannten Treppenlinien.

Dies bedeutete meistens, dass der/die Influencer Follower gekauft hat und sie jetzt nach und nach dem Profil hinzugefügt werden. Allerdings wird diese Methode bei Fakes immer seltener praktiziert. Die Fake-Follower Anbieter sind „professioneller“ geworden und bieten jetzt einen gleichmäßigen Followerzukauf, der einer gleichmäßigeren Linie nach oben ähnlelt. Aus diesem Grund verliert diese Visualisierung ihre Aussagekraft für die Entdeckung der Fakes.

2. Botmäßiges Verhalten der Influencer selbst

Auf Instagram ist die Follow/Unfollow Praxis sehr populär. Dies bedeutet, dass Accounts Bots dazu nutzen, tausende Menschen auf einmal zu folgen um dann nach ein paar Tagen wieder zu entfolgen. Sie hoffen, dass die Menschen sie zurückfolgen und als Follower erhalten bleiben.

Diese Praxis ist tatschlich meistens anhand solchen Treppenlinien oder großen Veränderungen in den Followerzahlen über die Zeit bemerkbar. Wenn zum Beispiel die Zahl der vom Influencer gefolgten Accounts sehr stark schwankt, ist es meistens ein Anzeichen für Boteinsatz auf der Seite des Influencers.

3. Kostenlose Followeranalyse auf Fakes – IG Audit

Im Internet gibt es einige Firmen, die kostenlose Followeranalyse von Influencern anbieten. Die meisten fangen bei Accounts ab 1000 Followern an.

Die beste auf dem Markt ist in meinen Augen das IG Audit App, die von einem CalTech Ingenieur Andrew Hogue programmiert worden ist. Sie funktioniert bereits bei keineren Accounts unter 1000 Followern. Die einzige Bedingung ist, dass das Konto öffentlich sein muss.

Die App wählt zufällig bis zu 200 Follower eines Accounts aus und analysiert sie nach bestimmten Merkmalen, die für Fake-Follower charakteristisch sind wie zum Beispiel: ein anonymer Username, große Zahl der gefolgten Accounts, kein Profilbild usw.

Wie genau die App funktioniert kann hier nachgelesen werden. Vom Prinzip ist es vermutlich eine crawling app, die die Webseite (ähnlich wie Google) nach bestimmten Suchkriterien durchsucht. Als Ergebnis liefert sie eine Prozentzahl an echten Followern. Laut der App alles unter 60% ist verdächtig.

Als Beispiel, wie die App funktioniert, zeige ich hier Ergebnisse von meinem Account, dem Account von Kim Kardashian und Christian Lindner.

Ich habe nur wenige Follower: um die 360. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Follower gekauft habe, ist somit eher gering…

Laut der App sind 85% meiner Follower echt. Das es nicht 100% sind, ist normal, da die App nur Schätzungen angibt. Bei jeder Wiederholung variert auch die Zahl ein wenig.

 

 

 

 

 

Kim Kardashian hat „nur“ an die 52% echte Follower, was bei 143 Millionen Follower nicht wirklich ins Gewicht fällt. Trotzdem ist es ein Hinweis auf Unregelmäßigkeiten. Die Ursachen für den geringen Prozentsatz könnten sein:

– Kauf von Fake-Followern,

– Accounts, die über die Jahre gewachsen sind, beinhalten immer eine größere Anzahl an Nutzern, die nicht mehr aktiv sind. Die Zahl solcher Nutzer steigt mit der Zeit an,

– Accounts mit großen Followerzahlen haben tendenziell geringere Anzahl an echten Follower.

 

Bei Christian Linder zeigt die App eine normale (obwohl niedrige) Anzahl an echten Follower und deutet nicht auf Unregelmäßigkeiten hin.

 

 

 

 

 

Update 09.12.2019:

Leider hat Facebook die IgAudit App vorläufig gesperrt. Die App nutzte einen Webcrawler und ihr Erfolg wurde ihr vermutlich zum Verhängnis. Facebook mag nicht, wenn zu viele Leute die Webseite scannen.

Eine zu IgAudit vergleichbare Anwendung ist HypeAuditor. Allerdings ist die Anwendung von HypeAuditor nicht kostenlos. Zugriff auf eine Basisversion ist nach der Erstellung eines Kontos bei HypeAuditor möglich.

5. Gleichmäßige Entwicklung auf allen Plattformen

Ein weiteres Merkmal für die Echtheit ist die Nutzung mehreren Plattformen durch Influencer. Zwar gibt es Influencer, die tatsächlich nur auf Instagram unterwegs sind. Die meisten haben aber mindestens Webseiten und sind auch auf anderen Social Media Plattformen unterwegs. Wenn die Statistiken von Webseiten und anderen Social Media Platformen sehr divergieren, könnte es auch ein Zeichen für unlautere Praktiken sein.

4. Wo wohnen die Follower?

Falls Sie sich entscheiden mit einem Influencer zusammenzuarbeiten, ist die einfachste Form der Analyse den Influencer um einen Screenshot der Länder und Wohnorte, aus denen die meisten seiner Follower kommen, zu bitten.

Auf diese Art und Weise kann die Zielgruppe recht zuverlässig ermittelt werden. Wenn die Herkunft der Follower nicht mit der Herkunft ihrer Kunden übereinstimmt, hat es auch keinen Sinn mit dem Influencer zusammenzuarbeiten.

Zusammenfassung

Influencer-Marketing ist ein Wachstumsmarkt, von dem Unternehmen mit Sicherheit stark profitieren können: durch den Aufbau eigener Social Media Präsenzen sowie durch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Influencern.

Allerdings, da sich der Markt hier in einer starken Wachstumsphase befindet, herrschen vielerorts Bedingungen des Wilden Westens, wo auch die schwarzen Schafe der Branche profitieren können. Es werden noch einige Jahre vergehen, bis die Bedingungen sich stabilisieren werden. Eine sehr gute Zusammenfassung der Probleme der Szene hat Rand Fishkin in einem seiner Blogartikel beschreiben.

Die Probleme mit der Erkennung von Bots liegen auch an der Tatsache, dass Facebook als Plattform sparsamer mit seinen Daten umgeht als zum Beispiel Twitter. Die Webentwickler haben einen besseren Zugang zu den Daten auf Twitter als auf Instagram.

Demnächst werde ich auch hier einige Methoden der Bot-Entdeckung auf Twitter vorstellen.

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